====== 06. Prompting ====== *Prompting* beschreibt den Prozess, bei dem ein Mensch einer Künstlichen Intelligenz (KI) eine Anweisung, Frage oder Aufgabe stellt, um eine gewünschte Reaktion zu erhalten. Ein *Prompt* ist dabei der eingegebene Text, der der KI sagt, **was sie tun soll** – sei es: * eine E-Mail schreiben * ein Bild generieren * Daten analysieren * Code vorschlagen * oder eine kreative Idee entwickeln ==== Prompting = Kommunikation mit der KI ==== Prompting funktioniert ähnlich wie ein Gespräch: * Du formulierst eine Aufgabe oder Frage. * Die KI gibt dir eine Antwort. * Du kannst nachfragen, verfeinern oder den Auftrag anpassen. Je **klarer**, **präziser** und **zielgerichteter** dein Prompt ist, desto besser wird die Antwort der KI. ==== Arten von Prompts ==== Ein Prompt kann ganz unterschiedlich aufgebaut sein – je nach Ziel und Tool: * **Anweisung:** → *„Erkläre mir den Unterschied zwischen Datenschutz und Datensicherheit.“* * **Rolle + Aufgabe:** → *„Du bist ein IT-Trainer. Erstelle eine Folie zur DSGVO.“* * **Input + Formatvorgabe:** → *„Fasse diesen Text in drei Bulletpoints zusammen.“* * **Mehrstufige Aufgaben:** → *„Erstelle eine Gliederung für einen Blogartikel über nachhaltiges Reisen. Schreibe danach die Einleitung.“* ==== Was unterscheidet Prompting von herkömmlicher Software-Nutzung? ==== | Klassische Software | Prompting mit KI | |----------------------------|---------------------------------------| | Auswahl über Menüs | Freitext-Steuerung | | Feste Funktionen | Offene Aufgabenformulierung | | Nutzer:innen passen sich an | Die KI passt sich an den Prompt an | | Eindeutiger Output | Unterschiedliche, kreative Lösungen | Prompting ist also **flexibler, kreativer und dialogorientiert** – erfordert aber auch etwas Übung und Klarheit in der Formulierung. ==== Prompting als neue Kernkompetenz ==== Prompting wird in vielen Berufen zu einer **digitalen Schlüsselkompetenz** – ähnlich wie der Umgang mit Office-Programmen. Wer es beherrscht, kann: * effizienter arbeiten * Inhalte schneller erstellen * bessere Entscheidungen treffen * und kreativer Probleme lösen ---- ====== Warum ist gutes Prompting wichtig? ====== Die Qualität der Ergebnisse, die ein KI-System liefert, hängt maßgeblich davon ab, wie die Anfrage – also der *Prompt* – formuliert ist. Ein klar strukturierter, zielgerichteter Prompt kann die Leistung eines KI-Tools dramatisch verbessern. ==== Gute Prompts führen zu besseren Ergebnissen ==== Ein präziser Prompt hilft der KI, die Absicht des Nutzers zu verstehen. Das führt zu: * **höherer Relevanz** der Antwort * **besserer Struktur** und **sprachlicher Qualität** * **schnellerem Arbeiten**, da weniger Korrekturen nötig sind * **besserer Steuerbarkeit**, z. B. in Bezug auf Tonfall, Länge, Format oder Perspektive ==== Schlechte Prompts erzeugen schlechte Ergebnisse ==== Vage oder widersprüchliche Prompts können zu: * **unpräzisen oder unbrauchbaren Antworten** * **Faktenfehlern oder Missverständnissen** * **unnötig langen oder irrelevanten Ausgaben** * **Wiederholungen oder Oberflächlichkeit** führen – was wiederum Zeit kostet und das Vertrauen in das Tool schwächt. ==== Was macht einen guten Prompt aus? ==== Ein effektiver Prompt zeichnet sich durch folgende Merkmale aus: * **Zielklarheit:** Was genau soll die KI tun? * **Kontext:** Hintergrundinformationen, Rolle, Zielgruppe * **Strukturvorgabe:** Welche Form soll die Antwort haben? (Liste, Tabelle, Fließtext, E-Mail etc.) * **Stil und Ton:** z. B. „locker und humorvoll“, „professionell und sachlich“ * **Begrenzung:** z. B. „maximal 100 Wörter“, „nur drei Vorschläge“ ==== Vergleich: schlechter vs. guter Prompt ==== Schlechter Prompt: * „Schreib was über Marketing.“ Guter Prompt: * „Du bist Marketingberater. Erstelle eine kurze Einführung (max. 150 Wörter) über die Bedeutung von Zielgruppenanalyse im digitalen Marketing. Sprich eine fachkundige Leserschaft an.“ ==== Fazit ==== Gutes Prompting ist eine **Schlüsselkompetenz im Umgang mit KI**. Wer lernt, präzise und zielgerichtet mit Maschinen zu kommunizieren, wird langfristig schneller, effizienter und kreativer arbeiten können – ganz unabhängig vom jeweiligen Tool. ---- ====== Zielklarheit: was soll die KI tun? ====== ==== Warum Zielklarheit wichtig ist ==== KI-Systeme können viele Aufgaben übernehmen – aber sie „verstehen“ keine vagen Aussagen. Je klarer das Ziel formuliert ist, desto treffsicherer ist die Antwort. ==== Gute Zieldefinitionen enthalten ==== * **Was soll getan werden?** (z. B. schreiben, analysieren, umformulieren) * **Für wen?** (Zielgruppe oder Kontext) * **Mit welchem Ziel?** (informieren, überzeugen, unterhalten) * **Was soll vermieden werden?** (z. B. Fachbegriffe, Wiederholungen) ==== Beispiel: Unklar vs. klar ==== Unklar: * „Schreib mir was über Datenschutz.“ Klar: * „Erstelle eine kurze Einführung (ca. 100 Wörter) zum Thema Datenschutz für eine interne Schulungsunterlage. Zielgruppe: neue Mitarbeitende ohne Vorkenntnisse.“ ==== Tipp ==== Wenn du dir selbst nicht sicher bist, was du willst, kannst du die KI auch zur Klärung nutzen: → „Stelle mir drei Möglichkeiten vor, wie ich dieses Thema strukturieren könnte.“ ---- ====== Rolle und Kontext definieren ====== ==== Warum die Rolle wichtig ist ==== KI-Systeme können „in Rollen schlüpfen“ – z. B. als Fachperson, Journalist:in, Coach oder Entwickler:in. Das verändert die Qualität und den Stil der Antwort. ==== Kontext liefert Orientierung ==== Je mehr Informationen zur Situation oder Zielgruppe enthalten sind, desto besser kann die KI ihre Antwort anpassen. ==== Beispiele ==== * „Du bist ein UX-Designer. Erkläre die Bedeutung von Barrierefreiheit für Webanwendungen.“ * „Stell dir vor, du sprichst mit einer Gruppe Grundschüler:innen. Erkläre, was ein Algorithmus ist.“ ==== Hinweis ==== Du kannst auch mehrere Rollen kombinieren oder explizit sagen, wie **nicht** geantwortet werden soll (z. B. „ohne Fachjargon“). ---- ====== Strukturierte Prompts aufbauen ====== ==== Warum Struktur hilft ==== Strukturierte Prompts sind leichter verständlich – für die KI und für dich selbst. Sie führen zu konsistenteren Ergebnissen. ==== Aufbau eines strukturierten Prompts ==== Ein typischer Aufbau kann so aussehen: * **Rolle:** Wer spricht? Wer soll antworten? * **Ziel:** Was soll erreicht werden? * **Kontext:** Für wen? In welchem Rahmen? * **Format:** In welcher Form soll geantwortet werden? * **Stil:** Wie soll der Text klingen? * **Begrenzung:** Länge, Inhalt, Umfang ==== Beispiel-Struktur ==== „Du bist ein Recruiter. Erstelle ein kurzes Bewerbungsschreiben (max. 120 Wörter) für eine Stelle als Softwareentwickler:in. Zielgruppe: Berufseinsteiger:innen. Stil: motivierend und professionell.“ ==== Checkliste ==== ☑ Ziel klar? ☑ Rolle definiert? ☑ Kontext bekannt? ☑ Format und Stil vorgegeben? ☑ Begrenzung sinnvoll gesetzt? ---- ====== Iteratives Prompting: Schritt für Schritt zum Ergebnis ====== ==== Was bedeutet iteratives Prompting? ==== Prompting ist oft ein Prozess, kein Einmal-Befehl. Durch Rückfragen, Verfeinerungen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen verbessert sich das Ergebnis. ==== Strategien ==== * Folgefragen stellen * Ergebnisse in Abschnitte aufteilen * Teilaufgaben nacheinander lösen lassen * Feedback geben („Fasse kürzer“, „Nutze mehr Fachbegriffe“) ==== Beispiel-Ablauf ==== 1. „Erkläre mir die DSGVO in einfachen Worten.“ 2. „Fasse das auf drei Kernaussagen zusammen.“ 3. „Formuliere jede Aussage als Stichpunkt.“ ==== Tipp ==== Du kannst die KI auch direkt um einen Arbeitsplan bitten: → „Wie können wir gemeinsam einen Blogartikel erstellen? Zeige mir die nächsten Schritte.“